#regretting motherhood?

In den letzten Tagen bin ich im Internet immer wieder darüber gestolpert: regretting motherhood. Anfangs hat es mich nicht interessiert aber nach ungefähr dem fünften Mal stolpern habe ich mich dann doch ein wenig reingeklickt - ja, die Neugier war wiedermal stärker als ich :)

Unter dem hashtag regretting motherhood und in einer Studie erklären Frauen warum sie es bereuen Mutter geworden zu sein. Darf eine Frau es auch einmal aussprechen dass sie es bereut Mutter geworden zu sein?


Schwierige Frage..prinzipiell kann natürlich jeder seine Meinung haben und diese auch aussprechen, also stelle ich mir diese Frage auch mal: habe ich es jemals bereut Mutter geworden zu sein? Nein...ja....nein, denn bereuen kann man das eigentlich nicht nennen. Das sind einfach für mich Momentaufnahmen wo ich rat- und manchmal auch etwas hilflos bin weil Sohnemann mal wieder nicht macht was ich möchte bzw. was er sollte und ich ihn am liebesten die Ohren langziehen würde. Oder ganz am Anfang als er stundenlang Koliken hatte und durchplärrte und ich nicht wusste wie ich ihm und mir helfen kann. Oder er schon das zehnte Mal des nächtens wach wird und ich eigentlich nur noch schlafen möchte. Oder er so müde ist dass er nur noch quengelt und aber nicht und nicht einschläft..

Aber wirklich bereut? Nein, das definitiv nicht. Obwohl ich nicht jemand mit übergroßem Kinderwunsch war, ich war mir bis zuletzt nicht sicher ob ich überhaupt jemals ein Kind möchte. Ich schreibe bis zuletzt deswegen weil mir die Entscheidung einfach abgenommen wurde: gratuliere, sie sind schwanger, Ende 4. Monat und es wird ein Junge..Öhm...was bitte? Ein bisschen viel Info auf einmal war das für mich! Und dann in Schwangerschaft: Zysten in den Nieren, die Ungewissheit ob sonst alles mit dem Kleinen ok ist, Organscreening, nach der Geburt dann nur eine Niere, die andere hat der Körper abgebaut.. das war echt eine schlimme Zeit. Aber auch da habe ich meine Mutterschaft nie abgelehnt oder bereut. Ganz im Gegenteil, ich habe daraus die Erkenntnis gewonnen dass der Kleine zu mir gehört - was auch immer passiert, welche Krankheit er auch immer haben könnte. Und: dass ein gesundes Kind keine Selbstverständlichkeit ist sondern ein Geschenk.

Natürlich spielt auch das ganze Umfeld mit und wie viele Kinder man hat..mit einem einzigen Kind und Partner und eventuell auch brav einspringenden Großeltern ist die Mutterschaft natürlich viel bequemer als wenn man mit 2 oder mehr Kindern alleinerziehend dasteht und nicht weiß in wie man die Kinder durchfüttern muss. Aber auch da gibt es sicher Mütter die ihre Mutterrolle um nichts in der Welt tauschen möchten und wiederum andere die wohl versorgt sind, die aber trotzdem mit dem Schicksal hadern.

Mutter sein heißt stark sein. Mutter sein heißt auch verzichten und den eigenen Egoismus mal hinten anstellen. Mutter sein heißt auch sich von einer Menge Idealbildern zu verabschieden. Von der immer netten und strahlenden Mutter die auch nach einem langen Arbeitstag strahlend (und natürlich top gestylt und mit Modellfigur ) bei der Tür hereinkommt... Handy in der rechten und Baby in der linken Hand. Dann sofort in die blitzblanke Küche eilt und dort ein gesundes Abendessen (natürlich nur mit frischen Zutaten) zaubert, den Ehemann gut gelaunt begrüßt und nach dem Abendbrot das Baby bestens versorgt zu Bett bringt. Das Baby entschlummert natürlich alleine (kurz gelacht) und innerhalb von 10 Minuten (ganz besonders laut gelacht). Die immer noch frische Mutter schmeißt sich danach ins Negligé um auch noch dem Göttergatten zu überraschen, der Arme wurde ja bis jetzt sträflich vernachlässigt...

Und das sind genau die Bilder die wir aus unserem Kopf bekommen müssen. Was uns hier vermittelt wird ist ein Ideal, und genau dieses Ideal lässt uns die eigene Latte so hoch legen dass wir einfach daran verzweifeln müssen! Niemand sagt dass die Kinder die neuesten Sachen brauchen, in Kinderyoga oder Englisch für Neugeborene oder sonstigen Unfug gehen müssen...

Ich finde man muß die ganze Mutterschaft etwas lockerer und humorvoller nehmen...das stresst nicht so und man kann die Zeit mit Kind genießen ohne die ganze Zeit das Gefühl zu haben dass man etwas versäumt - die Zwerge bereichern unser Leben und laden uns ein die Welt nochmal mit anderen, jungen Augen zu sehen!





Kommentare

  1. So sehe ich das auch. Es ist eben eine Frage, welche Ansprüche man an diw Mutterschaft hat bzw. sich von der Gesellschaft vorschreiben lässt. Klar ist es anstrengend, mein Bild von der Mutterrolle hat sich definitiv gewandelt. Aber deshalb bereue ich es nicht ein Kind bekommen zu haben!

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    1. Danke für deinen Kommentar! :) Ja, auch mein Bild hat sich sehr gewandelt, man stellt sich schon vieles einfacher vor ...aber im Endeffekt macht es uns stärker und auch stolz zu sehen was wir leisten können!

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  2. "Von der immer netten und strahlenden Mutter die auch nach einem langen Arbeitstag strahlend (und natürlich top gestylt und mit Modellfigur ) bei der Tür hereinkommt... Handy in der rechten und Baby in der linken Hand. Dann sofort in die blitzblanke Küche eilt und dort ein gesundes Abendessen (natürlich nur mit frischen Zutaten) zaubert, den Ehemann gut gelaunt begrüßt und nach dem Abendbrot das Baby bestens versorgt zu Bett bringt. Das Baby entschlummert natürlich alleine (kurz gelacht) und innerhalb von 10 Minuten (ganz besonders laut gelacht). Die immer noch frische Mutter schmeißt sich danach ins Negligé um auch noch dem Göttergatten zu überraschen, der Arme wurde ja bis jetzt sträflich vernachlässigt..."

    Sorry, aber wer SO ein Bild von Mutterschaft hat, der ist selbst Schuld. Ich finde es ein bißchen albern, so zu tun als würde einem wirklich dieses Bild vermittelt werden. Und wenn es tatsächlich so ist, frage ich mich, ob ich in einem Paralleluniversum lebe, denn mir läuft dieses Idealbild so gut wie nie über den Weg, maximal in Werbespots und bei der "himmlischen Familie". Ganz im Gegenteil, wird man von allen Seiten damit bombardiert, wie schrecklich es ist Mutter / Eltern zu sein, was man alles aufgeben muss, dass man nie mehr durchschlafen wird, das man sich nicht mehr selbstverwirklichen kann, sei es beruflich oder privat, usw. usf.

    Wenn sich jemand nen Hund anschaffen will, dann macht man sich endlose Gedanken, ob man denn auch genug zeit hat, ob man bereit ist sich dementsprechend einzuschränken, bei Kindern machen sich die Leute anscheinend weniger Gedanken, die werden einfach mal in die Welt gesetzt und dann wird darüber lamentiert, dass man ja gar nicht wusste, was auf einen zukommt.

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    1. Natürlich habe ich das etwas überspitzt formuliert, es soll ja auch unterhaltsam sein...aber ich finde schon dass einem dieses Bild eben gerade in der Werbung, in Berichten und eigentlich generell in der Gesellschaft oft serviert wird. Dass es schrecklich ist Mutter / Vater zu sein, das höre ich ehrlich gesagt eher selten - außer im Moment halt eben wegen der regrettingmotherhood - Geschichte. Natürlich jammere ich mit Freundinnen ab und zu mal am Telefon dass es grade wieder nervig mit dem Zwerg ist...aber wie gesagt, dass sind eben Momentaufnahmen und ich würde ihn um keine Geld der Welt missen wollen! :)

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